Freitag, 6. März 2015

Lolito - Ben Brooks

272 Seiten · gebunden
Verlag: Atrium
für Junge und ältere Erwachsene
ISBN: 3-85535-055-8
ISBN-13: 978-3-85535-055-1
Erscheinungsdatum Februar 2015 
Preis: 18,00 €


Kurzbeschreibung (Verlag):
Der 15-jährige Etgar ist mit seinem Hund Amundsen allein zu Haus. Als er über Facebook herausfindet, dass seine Freundin ihn betrogen hat, bricht es ihm das Herz. Im Internet begibt er sich auf eine Reise durch immer zweifelhaftere Chatrooms und Single-Börsen. Dort trifft er auf Macy, der er sich am Bildschirm als jungdynamischer Hypothekenmakler vorstellt. Hals über Kopf stürzen sich die beiden in eine Cyber-Affäre, und bald taumelt Etgar zwischen nackter Panik und der aufregenden Erkenntnis,
dass im Internet einfach alles möglich ist. Aber dann will Macy Etgar nicht mehr nur im Internet treffen. Mit schlotternden Knien, schweißnassen Händen und Omas Erbe auf dem Konto checkt Etgar in einem Hotel ein. In der Lobby tritt ihm Macy entgegen, sie ist schön, sie ist sexy – ...


Meine Meinung:

Das Cover mit seiner gelb-grünen Signalfarbe und den beiden verbundenen Laptops sieht schon mal klasse aus. Ein Hingucker.

Wer sich auf dieses Buch einlässt - und dass man sich darauf einlässt kann ich wirklich nur empfehlen - sollte sich im Vorfeld jedoch über einiges klar sein, um nicht mit falschen Vorstellungen zu starten.
Auch wenn Etgar erst 15 Jahre alt ist; "Lolito" ist kein Jugendbuch.
In Etgars Geschichte wird nichts beschönigt, nichts verschwiegen oder gar unter den Teppich gekehrt. Etgar gehört, wie man sich denken kann, auch nicht zu den „Vorzeigepubertärlingen“, die brav den Anweisungen der Eltern folgen (gibt es die überhaupt?). Er befindet sich unverhofft in einer Ausnahmesituation und trotz seines jugendlichen Alters, geht es nicht wirklich jugendfrei zu. Der erste Liebeskummer, die Eltern nicht zu Hause, freier Zugang zu Internet und Alkohol. Was daraus entsteht solltet ihr euch auf keinen Fall entgehen lassen.

Ich muss ja gestehen, dass ich auf den ersten paar Seiten meine Probleme mit „Lolito“ hatte. Hatte sich doch dieses „schreiend komisch“  aus der Beschreibung als „lustig/spaßig“ in meinem Kopf festgesetzt, was mir zunächst eine recht verfälschte Leseerwartung bescherte. Lustig dachte ich, ist irgendwie anders. Aber bedeutet schreiend komisch überhaupt lustig/spaßig? Habe ich das einfach nur falsch interpretiert? Wie dem auch sei. Als schreiend komisch würde ich persönlich die Geschichte erstmal nur bezeichnen können, wenn man sich als Leser am „pubertären Elend“ der Hauptfigur ergötzen kann oder möchte. Oder wenn man auf seine eigene Pubertät zurückblickt und vielleicht die ein oder andere peinliche Parallele entdeckt? Okay, rückblickend gesehen kann man sich immer über so manches amüsieren :-) Wahrscheinlich empfindet Etgar selber, seine Geschichte in 10 Jahren auch spaßiger, als in dem Moment, als er mitten drin steckte.

Ich bin jedenfalls sehr froh darüber, die Geschichte gelesen zu haben. Eröffnet sie einem doch mal einen ganz anderen Blickwinkel auf das Verhalten 15-jähriger Jungs und verdeutlicht, wie einfach es ist, an Hochprozentiges ranzukommen, sich im Internet zu bewegen, und auf Wege zu geraten, die wie in Etgars Fall alles andere als altersgemäß sind. 
Letztendlich siegt aber eben doch bei fast allem die Neugier.

Ich fand es äußerst spannend, die Probleme, Gedanken und Handlungen mal aus der Sicht eines 15-jährigen Jungen zu erleben. Das bekommt man doch eher selten zu lesen. Und auch, wenn man teilweise geneigt sein sollte diese Geschichte als überspitzt zu empfinden (es geht zeitweilig hoch her), kann ich mir vorstellen, dass man hier lediglich eine Spitze der vielen Pubertätseisberge zu lesen bekommt. 
Pubertät, erste Liebe, Sexualität, Einsamkeit, Verletzlichkeit, Alkohol - eine brisante und explosive Mischung, die erstmal entwirrt werden will. Eben ein Ausnahmezustand, den jeder anders bewältigt.

Fazit:
Wer sich also erst einmal von dem Gedanken „komisch = lustig/spaßig“ frei macht und keine geschönte, alberne, klinisch reine Geschichte erwartet, wird ganz sicher seine Freude an diesem Büchlein haben. 



Bewertung


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen