Freitag, 5. September 2014

Friedhofskind - Antonia Michaelis



Broschiert: 480 Seiten
Verlag: Emons, H J (29. Januar 2014)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3954512866
ISBN-13: 978-3954512867
Preis: 14,95 €

Kurzbeschreibung (Verlag):
Siri verbringt einen Sommer in einem kleinen Küstendorf, in dem vor dreißig Jahren unter mysteriösen Umständen ein Kind ertrank. Die Bewohner des Dorfes reden nicht gern darüber - genauso wenig wie über den Totengräber, der angeblich mit den Seelen der Verstorbenen spricht. Oder darüber, dass man sich gut mir ihm stellen sollte, wenn man die Toten nicht gegen sich aufhetzen will. Siri drängt tief in die dunklen Geheimnisse des Dorfes ein. Und stößt dabei auf das Unfassbare...


Meine Meinung:
„Friedhofskind“ ist inzwischen das 7. Buch, das ich von Antonia Michaelis gelesen habe und jedes einzelne dieser Bücher ist etwas ganz Besonderes. 

Auf dem Cover von „Friedhofskind“ steht zwar Kriminalroman, jedoch sollte man hier nicht den typischen Krimi erwarten. Polizeibeamte oder die üblichen Ermittler finden in dieser Geschichte nicht statt. Hier funktioniert alles etwas anders.

Wir befinden uns in einem kleinen, einem sehr kleinen Dorf an der Ostsee. Man ist am liebsten unter sich, und alles, was in diesem Dorf geschieht, bleibt auch dort. Wird dort begraben - vom Friedhofskind. Oder von den Dorfbewohnern. Probleme werden in Kuchen verbacken und mit Schweigen verziert.

---Um halb fünf Uhr morgens hatte das Sonnenlicht eine Aschenputtelfarbe, ein blasses Goldgelb. Das Schleierkraut auf den nebligen Wiesen war wie Rüschen.--- (S.155) 

Antonia Michaelis schafft es immer wieder mich mit ihren Worten zu fesseln und zu bezaubern. Jeder ihrer Charaktere erhält eine unglaublich Tiefe, sodass man deren Handlungen immer bestens nachvollziehen kann, ganz egal, ob man selber damit einverstanden ist oder nicht. Als Nichtbetroffener ist es immer einfach zu sagen: „Ach du lieber Himmel, so würde ich im Leben nicht handeln ... wie kann sie/er nur ...“ aber hier bekommen die Figuren grundsätzlich das passende Gerüst, die passende Vorgeschichte, passende Gedankengänge. Es kommen Dinge zur Sprache, die der „Otto Normalbürger“ am liebsten tief im Verborgenen hält. Verdrängter und aufwallender Seelenschmerz, Verletzbarkeit, intensivste Empfindungen, Einbildungen, die so manchem Gehirn Streiche spielen.
Die Geschichte saugt einen förmlich in ihren Bann, auch wenn sie nicht reißerisch oder brutal erzählt wird. Die Autorin versteht es einfach mit kleinen Feinheiten zu überzeugen.

---“Manchmal“, sagte Siri, „sind die kleinen und unwichtigen Dinge wichtig.“--- (S.300)

Dieses Buch liest sich wie ein Film. Man sieht die grauen Häuser des Dorfes, die erblühenden Blumen und Felder, riecht das Meer. Erlebt den Sturm, schmeckt die salzige Luft und spürt Freude und Verzweiflung der Hauptfiguren.
Bei dieser Autorin kann man sich seiner Vermutungen nie sicher sein. Am Ende kann wieder alles ganz anders sein.

Fazit:
Ein wunderbares Buch. Wortgewaltig, psychologisch, bildhaft und spannend.
Unbedingt empfehlenswert für Leser, die gerne die psychologische Seite der Hauptfiguren ausgeleuchtet haben möchten.


Bewertung


Kommentare:

  1. Das Buch steht auch schon auf meiner Wunschliste. Ich liebe den Schreibstil der Autorin! LG Aletheia

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    1. Dann hoffe ich, dass die Wunschliste nicht all zu lang ist - oder das Friedhofskind ganz weit oben steht :-)

      Liebe Grüße
      MacBaylie

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