Montag, 30. September 2013

In einem Boot - Charlotte Rogan




Gebundene Ausgabe: 333 Seiten
Verlag: Script5 (16. September 2013)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3839001501
ISBN-13: 978-3839001509
Originaltitel: The Lifeboat
Preis: 18,95 €


Kurzbeschreibung (Verlag):
Damit die einen überleben, müssen die anderen sterben. 
Grace ist frisch verheiratet mit Henry Winter, einem jungen Mann aus reichem Hause, als sie sich am Vorabend des ersten Weltkriegs auf der Zarin Alexandra einschifft. Doch nach einer mysteriösen Explosion sinkt der Ozeandampfer, und Henry erkauft seiner Frau einen Platz in einem Rettungsboot.
Den Naturgewalten schutzlos ausgeliefert, treibt das überladene Boot wochenlang auf offener See. In einer Atmosphäre aus Misstrauen und unterdrückter Aggression stellen sich existentielle Fragen.
Sollen die Stärkeren sich opfern, damit die Schwächeren überleben können? Oder besser umgekehrt? Wer darf das entscheiden? Und sitzt Grace überhaupt zu Recht in diesem Boot?
Grace überlebt die Katastrophe, findet sich aber Wochen später vor einem Gericht in New York wieder. Die Anklage lautet auf Mord.

Meine Meinung:
„In einem Boot“ ist meiner Meinung nach kein typisches Script5 Buch. Hier geht es weder um die verklärte Liebesgeschichte jugendlicher Akteure, noch um mystische Fantasie- oder Fabelwesen... 
Diese Geschichte ist einfach vollkommen anders. Und vor allen Dingen ist sie anders, als man es erwartet. Eine psychologische Reise.

Grace musste mit ihren 22 Jahren schon so manchen Tiefschlag einstecken. Damit sollte jetzt, nach der Heirat mit dem vermögenden Henry, aber endlich Schluss sein. Die Rückreise von Europa nach New York sollte für Grace den Beginn eines völlig neuen Lebens einläuten. Fatalerweise tut es das auch, nur nicht so, wie Grace es sich vorgestellt  hatte.

Dass diese Geschichte anders ist, merkt man gleich zu Beginn, denn wir steigen ins Boot ein, als die Reise bereits beendet ist. Grace überlebt also. 
Normalerweise würde es mir im Traum nicht einfallen die letzte Seite eines Buches zuerst zu lesen, aber hier liegt der Focus nicht auf der Frage, ob Grace überlebt oder nicht. Die 50:50 Zitterpartie kann man sich also getrost sparen. Hier geht es mehr um essenzielle Fragen. Wie verhält man sich bei solch einem Unglück, wie und woran erinnert man sich, wie verändert man sich, was ist man bereit zu tun ... ?

All diese Fragen beantwortet Grace uns (natürlich nur aus ihrer Sicht) indem sie im Rahmen ihrer Gerichtsverhandlung eine Art Tagebuch schreibt. Nur ist es eben mit Erinnerungen oder Eindrücken so, dass man sich nie sicher sein kann, was wirklich stimmt. Wie viel davon ist Wunschdenken? Wie vollständig sind die Erinnerungen, oder wird vielleicht sogar bewusst getäuscht? 
Da wir größtenteils nur auf Grace‘ Ausführungen zurückgreifen können, müssen wir uns gezwungenermaßen selber Gedanken machen, was mir eigentlich sehr gut gefallen hat.
Außerdem gibt es auch auf viele Fragen keine Antworten, aber so ist es nunmal im Leben. Man bekommt nicht auf alles eine Antwort und manchmal ist das vielleicht auch besser so.

Ich habe dieses Buch gerne gelesen, und ich denke, es ist handwerklich auch sehr gut gemacht. Man merkt mit jedem Satz in welcher Zeit die Geschichte spielt (1914), die Stellung von Frauen zu dieser Zeit ist deutlich, Grace‘ Unsicherheit, aber auch ihr Wille zu überleben wird gut rübergebracht. 


Fazit:
Eine Geschichte, die die Leserwelt vermutlich spalten wird. Handwerklich gibt es glaube ich nichts zu meckern, die Autorin bleibt ihrem nebulös, distanziertem Stil von Anfang bis Ende treu und legt es auch nicht darauf an ihre Figuren mit aller Gewalt zu Sympathieträgern zu machen.
Auch, wenn ich das Buch sehr gerne gelesen habe, mehrere dieser Sorte hintereinander würde ich mir nicht aussuchen. Für mich persönlich darf der Schreibstil generell gerne etwas emotionaler daherkommen.



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