Freitag, 16. August 2013

Special - Antonia Michaelis - Tag 3 - "Verkehrtrum" + Gewinnspiel






Willkommen zu Teil 3 meines Specals
Der heutige Titel lautet
"Verkehrtrum"

Was es mit diesem Titel auf sich hat? 
Dem aufmerksamen Leser wird sicher klar sein, was jetzt kommt.


Fragen von Antonia Michaelis an Becky und mich :-)
  

Viel Spaß!


1. Was ist dein erster Gedanke, wenn du einen Bettler siehst? Und was tust du dann?

Puh, gleich als erstes solch eine Frage. 
Ehrlich gesagt ist dieser erste Gedanke ein heilloses Durcheinander. Ein Mischmasch aus Mitleid, Hilflosigkeit, Unverständnis, Traurigkeit und Ärger ...
Diese Gefühle verzwirbeln sich blöderweise in unendlich vielen Konstellationen und sind wahrscheinlich so vielfältig wie es die Gründe derer sind, die sich gezwungenermaßen, freiwillig oder warum auch immer, für ein Leben auf der Straße "entscheiden".

Was ich dann tue? Diese Frage kann ich leider auch nicht pauschal beantworten - das ist irgendwie immer situationsabhängig. Manchmal gebe ich was, manchmal auch nicht, und ich kann nicht mal sagen, warum ich mich einmal dafür und beim nächsten Mal dagegen entscheide. Ich denke, da gibt es unterbewusste Schlüsselreize, die das steuern.


In aller Ehrlichkeit: Ich verhalte mich wahrscheinlich seltsam. In den meisten Fällen fühle ich mich hilflos und überfordert. 
Oft wenn ich von einem „Bettler“ angesprochen werde und kurz zögere, kommt ein: „Ich habe doch so einen Hunger“ hinterher. Ich biete dann immer an etwas zu Essen für denjenigen zu kaufen, aber das wird dann komischerweise schnell abgelehnt und die Person neben mir wird angesprochen. 
90 % der Menschen, die mich auf der Straße nach Geld gefragt haben, waren betrunken und wahrscheinlich hatte jeder von ihnen ein Alkoholproblem. Tue ich wirklich irgendwem einen Gefallen damit diese Sucht zu unterstützen, indem ich mein Geld abgebe und derjenige sich billigen Fusel davon kauft? Essen und (nicht alkoholische) Getränke hat mir bisher noch nie jemand abgenommen… 
Ich bin mir schon länger darüber im Klaren, dass kaum jemand „freiwillig“ obdachlos wird; so was hat immer einen Hintergrund und jemand, der aus einer „intakten Familie“ kommt, kann das alles vielleicht erstmal nicht sonderlich gut nachvollziehen. Ich kenne nun aber mindestens einen Menschen, der heute auch einer von den „Bettlern“ sein könnte - nun ist das aber nicht passiert und ich denke oft über die Gründe dafür nach. 



2. Welche Person aus dem Buch hättest Du gerne kennengelernt und welche ganz bestimmt überhaupt nicht?

Eigentlich hätte ich alle Figuren gerne kennen gelernt. Auch die, die am Ende nicht so gut wegkommen. Ich möchte einfach immer wissen, warum jemand so handelt wie er es tut. Möchte es einfach verstehen. Das heißt natürlich nicht, dass ich irgendwelche Schandtaten dann gutheißen kann, nur weil ich eventuell den dafür Grund kenne. Aber vielleicht ein bisschen besser verstehen und ganz vielleicht kann man irgendwann mal etwas ähnliches verhindern, wenn ... 
... okay, lassen wir das. Das artet aus.

Sehr gerne hätte ich "Den Jungen zwischen den Zeilen" näher kennen gelernt.
Er vereint etwas Traurig-Melancholisches und hat dennoch etwas Durchdringendes etwas Bestimmtes. 

Beim Paradies würde ich Claas gerne mal unter die Lupe nehmen. Ich denke, hinter seiner Fassade steckt noch viel, viel mehr. Ich fürchte nur, dass er das selber nicht so ganz weiß.



Nashville:
Am liebsten hätte ich Nashville kennengelernt. Ich hätte mich gerne um ihn gekümmert; da überkommt mich das Helfersyndrom und was Kinder angeht bin ich sowieso sehr sensibel.
Ich könnte gerne darauf verzichten Julietta kennen zu lernen. Von ihrer Sorte gibt es etliche Frauen auf der Straße und jedes mal erntet man sich einen blöden Blick, weil man nicht braungebrannt und perfekt gestylt aus dem Haus geht. Auf Oberflächlichkeit und Boshaftigkeit kann ich zu gerne verzichten.

Paradies:
Da fällt mir die Wahl ziemlich schwer… wen ich nicht unbedingt kennen lernen wollen würde, wäre aber Claas. Irgendwie war er mir im Verlauf der ganzen Geschichte unsympathisch.




3. An welchem Ort aus dem Buch wärst Du gerne mal gewesen?

Im Haus Nummer drei wäre ich gerne mal dabei gewesen und den Garten, den "Der Junge zwischen den Zeilen" Svenja gezeigt hat, würde ich auch gerne sehen. :-)

Beim Paradies würde ich gerne Rosekasts Haus sehen :-)



Nashville:
Die Roßwiesen klingen toll. Die Stelle an der Friedel und Nashville die Drachen steigen lassen und Svenja die Blumenkette macht ist auch eine von meinen Lieblingsstellen. Alles wirkt harmonisch und so voller Hoffnung. Das erinnert mich an David und sein Paradies.

Paradies:
Idealer Weise hätte ich den Wald gewählt, aber zugegeben  machen mir Wälder Angst. Das ist eigentlich etwas ganz schreckliches, weil Wälder der Inbegriff von Natur sind, aber ich muss dort immer an verbuddelte Leichen und zwielichtige Gestalten denken. Ich hätte mir lieber das alte Pfarrhaus angeguckt. Außerdem könnte ich da mal einen Blick auf Lovis graue Kästchen werfen, wenn sie sie nicht schon alle vernichtet hat.



4. An welcher Stelle im Buch hättest Du gerne eingegriffen und etwas geändert?

Das lässt sich schwer beantworten. In Anbetracht der Folgen, am liebsten schon in der Kindheit gewisser Personen, dann wäre vielleicht alles anders gekommen. Es hätte aber auch keine Bücher gegeben. ;-)
Ich liebe die Bücher ja genau so wie sie sind - da kann und darf man gar nichts ändern.
Im wahren Leben würde das wohl anders aussehen, aber wie und ob ich da was ändern könnte, kann ich so leider nicht beantworten. Kommt ja auch immer darauf an in welcher Beziehung man zu den Personen steht und was und wie viel man von allem mitbekommt.


Nashville:

An erster Stelle fallen mir natürlich die Morde ein, aber hätte ich daran etwas ändern können? Ich fürchte nicht…

Paradies:
Spätestens als Lovis wusste, dass Lotta mit David an der Werkstatt gearbeitet hat, habe ich mich gewundert warum sie nicht öfter den Kontakt zu Lotta gesucht hat. Lotta tat mir oft leid, obwohl ich sicher bin, dass sie es nicht mögen würde bemitleidet zu werden, aber gleichzeitig glaube ich, dass es sowohl Lovis als auch Lotta gut getan hätte sich „zusammen zu tun“. 



5. Was war Deine Lieblingsszene?

Da gab es mit Sicherheit sehr viele - hier muss ich aufpassen nicht zu viel zu verraten :-)
Bei Nashville mochte ich z.B die Szene als Svenja wegen der Renovierung aus ihrer Wohnung raus sollte und Nashville angeboten hat, auf der Straße Akkordeon zu spielen, um Geld zu verdienen.

Beim Paradies ist mir neben vielen anderen Szenen ein Eintrag aus Davids Werkstattbericht in besonderer Erinnerung geblieben *schnell raussuchen*: 
---Lovis ruft zum Abendessen. Claas ist noch nicht da. Wenn wir warten, bis er kommt, sagt Lovis immer, versteinert das Essen. Das ist schade. Ich würde gerne manchmal versteinertes Essen essen und mit Claas reden.---
Das finde ich traurig-schön. 


Nashville:
Ich mag die Szene, in der Svenja und Nashville sich zum ersten Mal treffen sehr gerne. Beim ersten Lesen wusste ich noch überhaupt nicht worauf das ganze hinausläuft und die Vorstellung, dass eine 18-jährige Studentin ein Kind im Küchenschrank hat, fand ich irgendwie amüsant - ja, der Start war sorglos…

Paradies:
Meine „Lieblingsszene“ aus „Paradies für alle“ ist keine klassische Lieblingsszene, aber ganz besonders fest verankert hat sich die Stelle als klar wurde, was Davids Intention war und warum er auf der Autobahn gelandet ist. Natürlich kann ich hier nicht zu viel verraten, aber diese kindliche Naivität und Großherzigkeit hat mir die Tränen in Strömen fließen lassen.




6. Was denkst Du über das Ende?

Das Ende fand ich total klasse.
Zwar war mir ziemlich früh klar, wer die Morde begangen hat, aber das warum, alles was drum rum passiert ist und wie sich alles entwickelt hat und dann ... 
steht man im ersten Moment ziemlich leer da und im zweiten Moment  rast die ganze Geschichte noch mal als Film durch den Kopf. Dann kann man das Buch zwar zuschlagen, aber die Gedanken um die Geschichte hat man damit noch lange nicht abgeschaltet. Und das ist auch gut so.


In beiden Büchern habe ich schon etwas ähnliches geahnt, aber ich habe mir verzweifelt gewünscht, dass doch alles irgendwie gut ausgeht. Ich bin generell eher kein Fan von klassischen „Happy-Ends“ aber jedes Antonia Michaelis Buch lässt mich mit gebrochenem Herzen zurück… vielen Dank dafür, Frau Michaelis; ich hoffe Sie kenne einen guten Arzt! ;)
Wer der Mörder in „Nashville oder Das Wolfsspiel“ war, hat mich aber doch überrascht. Ich habe im Verlauf der Geschichte jeden irgendwann mal verdächtigt.


7. Zu Nashville: Noch niemand hat irgendetwas über Juliettas Geburtstag geschrieben, obwohl das für mich eine Schlüsselszene ist. Wie hättest Du Dich verhalten, wenn Du bei diesem Gartenfest als Gast dabei gewesen wärest?

Ich wäre wahrscheinlich gar nicht erst dort hingegangen, aber so wirklich freiwillig war Svenja ja auch nicht dort und ich war froh, als sie von ... abgeholt wurde.
Diese Gesellschaft hat so viel eigenlöblichen Dunst und ärmliche Überheblichkeit versprüht, dass  Svenja zeitweise benebelt war und ihre Gedanken verloren hat. Wenigstens hat sie die Absichten von Julietta durchschaut. Obwohl ich gestehen muss, dass Julietta mir auch ein bisschen leid tat, weil ich denke, dass sie irgendwann zu viel von diesem giftigen Dunst abbekommen haben muss und vielleicht nicht mehr die Kraft hatte, sich rechtzeitig aus diesem Käfig zu befreien.


Wäre man als Gast nicht gleichzeitig einer von Juliettas perfekter Entourage? Ich möchte mir das mal lieber nicht vorstellen. 
Der Gedanke daran als eine zweite Svenja Gast dieser Feier zu sein ist aber auch äußerst unangenehm. Ich wünschte ich könnte sagen, dass ich diesen oberflächlichen Puppenmenschen mal gehörig die Meinung geigen würde… ehrlich gesagt fehlt mir dazu aber eine gute Portion Schlagfertigkeit und Mut. 



8. Zu David: Machst Du manchmal auch Listen?

Ich hatte öfters mal Phasen in denen ich meinte , mir etwas aufschreiben zu müssen, aber irgendwie scheint das nicht meins zu sein. Dann schrieb ich Zettelchen, die seltsamerweise verschwanden. Dann habe auch schon mehrere Heftchen angefangen, in der Hoffnung, dass diese einen stärkeren "Zusammenhalt" bewirken würden, aber auch die sind irgendwann ziemlich verwaist verschwunden und wenn sie dann nach Ewigkeiten wieder auftauchten, stellte ich fest: Was ich nicht sowieso im Kopf behalten hatte, war auch nicht so wichtig.
Manche Dinge schreibe ich also hin und wieder auf Zettel und lasse zu, dass sie verschwinden. :-) Hm...

Nein. Ich wünschte ich wäre ein so organisierter Mensch. Die einzigen Listen, die ich schreibe sind Einkaufszettel, aber die vergesse ich dann meistens eh zu Hause.





9. Was denkst Du über die Beziehung zwischen Svenja und Nashville / Lovis-Thorsten Samstag?
Diese Antworten lesen besser nur diejenigen, die die Bücher schon kennen!!!

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Spoiler "ein"

Bei Svenja und Nashville wechselt es immer ein bisschen. Teilweise erschienen sie wie Bruder und Schwester (Svenja überlegte ja auch kurz, was wäre, wenn ihre Mutter noch ein Kind gehabt hätte) und manchmal hätte sie gedanklich auch seine Mutter sein können (vom Alter her natürlich nicht) ... oder eine Freundin. Sie haben eine Menge miteinanader erlebt und sowas schweißt natürlich zusammen. Ob man da von Zuneigung, Liebe oder einfach nur Freundschaft redet ist eigentlich egal. Das sind meiner Meinung nach Worte, die jeder in jeder Situation anders interpretiert. Und nachdem Svenja lange auf der Suche nach ihrem Mr. Right war und anhand ihrer "Erfahrungen" festgestellt hat, dass diese Suche nichts mit Sex oder so zu tun hat, hat es mich nicht gewundert, das ihr der Gedanke: 'wenn Nashville 8 oder 10 Jahre älter wäre ...' durch den Kopf ging.

Mit Claas, ihrem Mann, konnte oder wollte Lovis nicht immer reden und je mehr beide sich bemühten, umso mehr wurden sie auseinander getrieben. 
Da kam Thorsten Samstag gerade recht. Er war immer da und hat ihr Mut und Hoffnung zugesprochen, ihr vielleicht auch öfters das gesagt, was sie hören wollte. Das war in diesem Moment genau das, was Lovis brauchte.


Svenja und Nashville habe ich von Anfang an in die Geschwister-Schublade gesteckt, warum auch immer. Ich habe das Gefühl, dass Nashville Svenja nicht wirklich auf „diese Weise“ liebt, sondern eher einfach als die Person, die für ihn sorgt und auf ihn aufpasst. Manchmal kann man die Bestätigung, die man durch Aufmerksamkeit und Fürsorge eines Menschen bekommt mit Zuneigung verwechseln und so habe ich das auch bei Nashville empfunden.

Was Lovis und Thorsten Samstag angeht, glaube ich, dass Lovis aus lauter Verzweiflung die Flucht gesucht hat. Weil sie bei David sein wollte, konnte sie aber nicht „physisch“ weglaufen, weswegen sie es auf einer geistigen Ebene getan hat. Lovis brauchte jemandem, den sie schuldig sprechen konnte und das war eine Zeit lang Claas. Thorsten Samstag war da fast ein Held für sie; er kümmerte sich um David und half ihn am Leben zu lassen, währen Claas sich um andere (fremde) Menschen kümmerte (so empfand Lovis das jedenfalls, denke ich).



Spoiler "aus"

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Ende und Gewinnspiel



Damit endet das 3 Tage-Special schon wieder und es hat sehr viel Spaß gemacht, all diese Beiträge zu erstellen.
Es gab eine ganze Menge zu Lesen, anzuschauen und anzuhören :-)

Ich hoffe, wir konnten Euch ein bisschen für diese wunderbaren Bücher begeistern.

Wer auf den Geschmack gekommen ist darf sich gerne am Gewinnspiel beteiligen. Ich verlose je 1 signiertes Buch "Nashville oder das Wolfsspiel" und 1 signiertes Buch von "Paradies für alle" unter all denen, die mir folgende 2 Fragen beantworten:

1. Per Kommentar: Was ist dein erster Gedanke, wenn du einen Bettler siehst? Und was tust du dann?

Und 
(Die zweite Antwort bitte nur per Mail und nicht im Kommentarfeld beantworten)

2. Per Mail :(kfmail (at) gmx.de: 
Wie groß ist der Küchentisch von Antonia Michaelis, an dem sie morgens schreibt? (Die Antwort findet ihr im Interview)

Schickt mir den Kommentar und  die Antwort bitte bis spätestens 
Sonntag den 25.08.2013
Achtet bitte darauf, dass ich euch anhand eures Namens auch identifizieren kann :-) Diejenigen, die ganz sicher gehen wollen, können auch gerne schon Namen und Anschrift angeben. Die Daten werden nur für's Gewinnspiel genutzt. 

Teilnehmen dürfen alle ab 16 Jahre (Bei unter 18-jährigen, bitte mit Einverständnis der Eltern)

Ich verschicke die Bücher per Büchersendung und übernehme keine Haftung, falls auf dem Postweg was verloren geht. 














Kommentare:

  1. Hallo MacBaylie,

    auch den 3.Tag bin ich nun dabei. Diese Autorin und ihre Bücher sind wirklich außergewöhnlich.

    Mein Verhältnis zum Betteln/Bettlern ist eigentlich ein Entspannendes.

    Denn ich denke mir, keiner ist wirklich freiwilligen gerne ohne Dach über den Kopf und etwas zu Essen, außerdem ist es auch nicht so leicht in der heutigen Zeit, denke ich mir gerade für diese Menschen unsereins an zusprechen. Wie oft gibt es da Menschen, die sie beschimpften, verhöhnen oder ähnliches.

    Bei mir am Land gibt es keine Bettler nur manchmal diese Bettlerbanden, wie plötzlich auftauchen und abends nach wieder von weiß ich nicht wem abgeholt werden und dann ihr Glück an einem anderen Ort zu probieren. Da gebe ich, ehrlich gesagt nicht.

    Aber wenn ich in die Großstadt komme, da gibt es schon Bettler, Punker usw. die einem doch ansprechen.Ich frage dann meistens zurück, ob ein Brötchen, Apfel, Banane usw. O.K. wäre, denn frisch eingekaufte Lebensmittel habe ich meistens dabei.

    Wenn das O.K. gebe ich gerne etwas ab. Ist schon komisch die meisten stutzen dann erst einmal kurz, aber besonder jugendliche Punker haben bis jetzt noch nie, so meine Erfahrungen nach einen Apfel oder ein Brötchen/Breze abgelehnt.

    Weiß nicht was sie da so überrascht?

    Ist halt so mein Beitrag, besser als wenn die Leute Essen aus Abfalleimern sich besorgen. Das finde ich, wirklich extrem schlimm und denke, was sind wir doch für ein "armes Land" wenn Menschen so was tun...

    LG..Karin..

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    1. Hallo Karin

      Danke für deine ausführliche Antwort.
      Das mit den Jugendlichen, die sich auf der Straße "rumtreiben" ist mir auch schon aufgefallen - die sind wirklich auch an Essbarem interessiert. (was an sich ja traurig genug ist) Bei den älteren geht es oftmals eher um Geld für Alkohol. Prinzipiell denke ich auch, dass man diese Alkoholsucht nicht noch weiter unterstützen sollte, aber ganz besonders da stecken oft die schlimmsten Geschichten dahinter und Alkoholsucht ist nun mal leider eine Krankheit, die sich nicht mal eben schnell heilen lässt. Ein Dilemma!

      Liebe Grüße
      MacBaylie

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  2. Das Falsch-herum-Interview ist sehr spannend!
    Ich will auch:

    1:
    Das ist wirklich sehr unterschiedlich. Seit dem ich Nashville gelesen habe … gebe ich häufiger was.
    Wahrscheinlich hängt es an meiner Laune ob und wieviel ich gebe. Wenn es zu aggressiv ist, hab ich nicht so Lust. Das mit dem Essen verschenken, hab ich auch schon versucht. Bislang wurde das immer angenommen. Aber eine Dose Ravioli (?) hab ich noch nicht verschenkt.

    2:
    Eigentlich alle:) Ich wäre gerne bei dem Wolfspielabend dabei gewesen - zum Beispiel. Gunnar und die K-Mädchen … die auch. Mal schauen ob die tatsächlich so schlimm sind. Aber das sind sie bestimmt. Mit Katleen würde ich gerne mal auf dem Platz Gemüse schnippeln. Und in dieser Kneipe mit dem Sofa (Kelter?) wäre ich auch gerne mal.
    Und klar, mit Svenja auf der Mauer sitzen. Und andere Dinge tun? Nee, daran hab ich beim Lesen nicht gedacht.
    Und Friesel, Kater Carlo und Thierry - vielleicht mal ne Party in der Nummer 3 veranstalten. Mein Caipirinha schmeckt nämlich sehr lecker.
    Bei David? Claas und Logis - eher nicht, die kenne ich schon. Auf alle Fälle Lotta und René. Eher die besonderen Personen. David (und Nashville)? Nein, das geht ja nicht.

    3:
    Auf alle Fälle das besetzte Haus, mehr wegen der Personen. Und diese Wiese. Aber ohne feiernde Gunnars.
    Und bei David? Da sind mir alle Plätze so plastisch vor Augen, irgendwie war ich dort schon überall. Aber genau das Haus von Rosekast … würde ich gerne mal sehen. Irgendwie habe ich immer so einen feucht modrigen Geruch in der Nase, wenn ich an den Ort denke.

    4:
    Nee, gar nichts. Ich versuche immer alles so zu nehmen wie es ist. Ich will Bücher - zumindest die von Antonia Michaelis - gar nicht ändern. Nicht, weil ich immer alles hinnehme, sondern weil Bücher ja auch den Sinn haben, sich mit etwas gegebenem auseinanderzusetzen. Dinge ändern zu wollen ist im Leben außerhalb der Bücher sinnvoller. Naja, Nashville hab ich zweimal gelesen. Und irgendwie dachte ich beim zweiten Mal immer wieder: vielleicht geht es diesmal anders aus. Sehr unsinnig, ich weiß. Und ich hätte mich sehr geärgert, wenn es anders ausgegangen wäre. Noch unsinniger.

    5:
    Sehr schwer. Bei Nashville, die Ausflüge ins Grüne, weil die so schön leicht sind. Der Wolfspielabend. Aber auch die brutale Szene am Ende im Keller, weil sie so dicht ist. Auch die Vorlesungen. Ach, ich kann mich nicht entscheiden.
    Bei David? Mit Lotta Weihnachten feiern, das unsinnigste Fest. Kühe befreien. Nazis ärgern. All diese Paradiesfindungsszenen. Und die Szene mit dem Schauspieler! Ach, das Buch ist voll von Lieblingsszenen.

    6:
    Das Buch endet für mich mit Nashville auf dem Platz wo er Gunnar begegnet. Alles was danach kommt wären nur Erklärungen, die ablenken würden. Für mich ist das perfekt. Gerade weil dem Leser nichts abgenommen wird. Es kommen keine schönen Worte mehr, kein "alles wird gut". Das ist das traurigste aller Buchenden bei Antonia Michaelis.
    Bei David hat man viele Seiten sich auf das was kommen wird vorzubereiten. Es drehte sich für mich gar nicht mehr so sehr um David. Mehr um Lotta und Lovis - um die Fortführung der Paradiesfindung, so dass das Ende für mich schon etwas sehr positives hat.

    7:
    Ich wäre wahrscheinlich schreiend weggerannt. Idealerweise wäre ich mit jemand dort gewesen um sich zusammen daneben zu benehmen.

    8:
    Oh ja, dauernd. Lose Zettel die hier herum liegen, Mails die ich mir selbst schicke. Dafür habe ich kein Notizbuch und keinen Kalender. Ohne Listen würde mir der Kopf platzen.

    9:
    Lovis / Samstag: Samstag der klassische Lückenfüller zum rechten Zeitpunkt als er wichtig war.
    Nashville / Svenja: Geschwister? Zu Beginn vielleicht Nashville ist der Kontrast zu Svenjas beliebigen Affären. Auch wenn das viele nicht lesen wollen: Er ist der einzige den sie wirklich liebt, gerade weil sie nicht "mit ihm rummacht". Bei dieser Liebe tun sich die meisten sehr schwer. Ja, wenn er 8 bis 10 Jahre älter wäre? Svenja denkt in der Szene auch an körperliches. Aber sie lässt es nicht zu. Ist der Gedanke alleine schon verwerflich?

    Der Haselnuss

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    1. Liebe Haselnuss,

      wow, du hast dir ja echt viel Mühe gemacht. Aber ich sehe schon, du liebst die Bücher genau so sehr wie wir.
      Vielen vielen Dank für die Antworten.

      Ich habe mich schon öfters gefragt, wie es zu manchen Buchbewertungen kommt. Wenn beispielsweise wird angemerkt wirkt: Gefällt mir gar nicht, weil ich mich nicht mit den Protas identifizieren kann - bzw. unrealistisch, weil doch ein Kind z.B. nicht in einen Schrank passt, Studenten keine Kinder beherbergen oder Studenten natürlich keinen Sex haben und Alk und Drogen geht sowieso nicht. In Büchern für Jugendliche ab 12 oder 14 dürfen die Protas sich ja auch nicht mehr jugendlich verhalten ;-) Da ist der Schreibstil zu hipp oder die Protas verhalten sich "oh Wunder" naiv und unbedacht.
      Klar sind das alles (wahrscheinlich aber nur fast alles) keine Alltagssituationen, aber auch das ist das wahre Leben und dort geht es meistens noch viel "unrealistischer " zu (was Autoren schon gar nicht mehr zu schreiben wagen)
      Öhm, ich schweife ab. Was ich sagen wollte: Geschichten mit Massenmördern, Vergewaltigern, gehäuteten Menschen ... werden da natürlich viel realistischer eingestuft - da kann man sich wenigstens mit den Protas identifizieren. ;-)

      Ich denke, viele Leser haben vielleicht einfach Angst mit den Sachen (Drogen, Sex, Alk ...) in Verbindung gebracht zu werden, wenn sie schreiben, dass sie das verstehen oder gut finden, weil es eben doch viel näher an der Realität ist, als bestialische Morde.

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    2. (1 von 2) Liebe MacBaylie,

      ach, Mühe gemacht? Am längsten hat das kürzen gedauert damit es ins Formular passt. Wobei, ich hätte es auch in zwei Teile aufteilen können. Das fiel mir zu spät ein.

      Hast du die Leserunde bei den LovelyBooks verfolgt? Da gab es ja genau diese Diskussionen. Ich meine, ich hatte bislang auch noch nie ein Kind im Küchenschrank gefunden. Klar, das ist unwahrscheinlich dass das passiert. Aber spielt das eine Rolle? Klar, es spielt eine Rolle, weil ich primär vielleicht keine Bücher lesen will, in denen wie in einer Tele-Novela der normale Alltag abgespult wird. Lustig finde ich nach wie vor, dass so viele nicht begreifen warum Svenjas Mutter Svenja nicht bevormundet, und warum ihr verpeilter Vater sich genau dann aus dem Staub macht, als Svenja auf der Straße landet. Er macht es ja nicht obwohl sie auf der Straße landet, sondern weil, und weil er eben so ist wie er ist, weil er ihr nicht helfen könnte. Er weiß das. Sie das. Klar, man hätte lieber einen Vater, der einen dann unterstützen könnte. Hat Svenja aber nicht. Das ist Teil der Geschichte.
      Für mich sind Bücher mehr Gedankengänge. Was wäre wenn ... genau. Was wäre wenn ich ein Kind im Schrank finden würde, oder was wäre wenn Svenja eines finden würde. Dann sag ich ja im realen Leben auch nicht: "Huch? Nee, da lass ich mich jetzt nicht drauf ein, das ist unlogisch!". Und in diesem Zusammenhang ist das auch nicht unlogisch, denn Svenja verhält sich eben so wie sich Svenja verhält. Als eine Einheit aus allen ihren Eigenschaften gesehen ist sie in meinen Augen eine sehr schlüssige Person. Ob ich Svenja, Nashville, Gunnar oder Friedel deswegen mag, spielt für mich keine solche Rolle. Sie sind für mich sehr real, weil sie so unperfekt sind, weil sie etwas Besonderes sind. Oh, in meinen Studizeiten waren sehr viele sehr langweilige und ganz normale Typen um mich herum. Naja, ein technisches Männerstudium. Also eben männliche K's. Aber das war auch nur ein Teil vom ganzen. Nebenher jobbte ich einmal die Woche nachts in einem Labor, alles Medizinstudenten, und das waren alles Kiffer und Trinker. Da gab es sehr viele Friedels. Nee, eigentlich nur Friedels. Wer studiert denn schon Medizin weil er Verantwortung übernehmen und dabei noch ein Vorbild sein will? Ein paar bestimmt, aber doch sicherlich nicht die Mehrheit.

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    3. (2 von 2)
      In meiner Schulzeit gab es dieses olle "Wir Kinder vom Bahnhofszoo". Das Buch war damals sehr umstritten. Da wurde von einem Elternteil eine Lehrerkonferenz einberufen und das Buch dann an der Schule ganz offiziell verboten. Klar, dann MUSSTE ich es auch lesen. Und komischerweise bin ich nie auf die schiefe Bahn geraten. Da machen die Protagonisten eigentlich nur schreckliche Dinge. So genau kann ich mich nicht mehr erinnern, ob das Buch mit einem moralischen Zeigefinger versehen war, ich glaube nicht so sehr, aber man ist auch mit 13 oder 15 in der Lage sich eine eigene Meinung zu bilden und zu sagen: Das Buch ist toll, ich mag die Protagonisten zu einem Teil, zu einem anderen aber nicht, weil sie ganz schreckliche Dinge tun, ich finde dieses Drogenleben total schrecklich, ich mag die Geschichte - aber, ich will nicht so sein. Das Buch hat mich damals bewegt. Sicherlich war das literarisch nix besonderes, aber es sprach Dinge an, die in anderen Büchern nicht vorkamen. Damals war es für mich wichtig.
      Meine letzten Thriller waren die Mankells, als auch schon wieder etwas her. Da kennt die Gewalt keine Grenzen. Sicherlich gibt es solche sehr bestialischen Verbrechen auch, aber zum Glück sind die nicht Alltag. Eine Svenja, die eine Zeit lang mit jedem schläft, so ungewöhnlich ist das nun auch wieder nicht. Das heißt ja nicht, dass man das toll finden muss. Das ist dennoch viel eher Alltag. Es schreibt ja auch keiner der das Buch mag, dann dazu "Toll, so wie Svenja will ich auch mal sein. Jeden Tag beliebigen Sex zu haben, ja, das wollte ich schon immer! Super, genau so mach ich es dann auch." Wer vor dem Buch dieses Gedanken vielleicht ansatzweise haben könnte, wird nach dem Buch eher anders darüber denken.
      Ich weiß nicht, warum dann wieder darüber geredet wird "Die Botschaft die uns die Autorin vermitteln will, ist ganz furchtbar". OK, das ist nun ein Märchenerzähler-Zitat. Aber die Botschaft die sich aus dem Buch ergibt, also bei Nashville oder dem MZ würde ich sagen, die liegt in den Augen des Lesers, der muss sich schon seine Meinung bilden. Es gibt eben keine Botschaft. Und was uns die Lieblingsautorin vielleicht vermitteln will, ist vielleicht etwas mehr nach zu denken. Das wäre schon mal was.
      Dass die Aussage von Nashville nun sei "hab Sex mit jedem dem du begegnest und nimm dazu viele Drogen", ich meine auf abwegigere Gedanken kann man ja kaum kommen.
      Ich denke viele Leser leben in einer Welt, in der sie alleine diese Gedanken nicht haben wollen. Gerade weil sie wissen oder ahnen, dass es sie gibt. Und genau, Drogen, Sex und Alkohol und vielleicht auch unmoralische Liebe ... das hat viel mehr mit dem Leben einer 19-jährigen zu tun als Morde. Zum Glück:)
      Es gehört eben zum erwachsen werden dazu, dass man nicht, von einem Tag auf den anderen volljährig, allwissend und perfekt ist. Da gibt es ja auch eine Phase dazwischen. Und wenn man dann erwachsen, vernünftig und perfekt geworden ist, dann bringt man Menschen um. Nein, natürlich nicht.

      Der Hasselnuss

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  3. Da ich unglaublich gerne Paradies für alle lesen möchte, versuche ich mein Glück:

    Ich wohne auf dem Dorf, dort gibt es keine Bettler. Daher treffe ich nur manchmal auf der Stadt auf sie. Oft gehe ich vorbei, da bin ich ehrlich. Ich habe die aber auch schon mal angesprochen, ob sie hungrig sind und ihnen dann etwas aus der Bäckerei gekauft. In Amerika ist der Umgang irgendwie anders, da viele Amis ihr Kleingeld in der Hosentasche habe, lassen die dann auch eher mal etwas springen und dem schließt man sich nach einer Weile einfach an.

    LG Claudia

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    1. Liebe Claudia,

      vielen Dank für deinen Beitrag.

      Ob das in Amerika unbedingt etwas mit dem Hosentaschengeld zu tun hat, glaube ich gar nicht. (Ich trage mein Geld übrigens auch immer in der Hosentasche :-))
      Dort herrscht wohl eher eine andere Mentalität und außerdem ein anders System.

      Liebe Grüße
      MacBaylie

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  4. Ein kleiner Hinweis:

    Gerade habe ich einige Mails in meinem Postfach gefunden, in denen nur Frage 2 beantwortet wurde. Wer am Gewinnspiel teilnehmen möchte, müsste aber bitte auch noch Frage 1 hier in den Kommentaren beantworten - ansonsten kann ich euren Namen leider nicht in die Lostrommel werfen. :-(

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  5. Ich bin schon lange auf der Suche nach "Paradies für alle", da probiere ich es doch mal hier! :)

    1. Also wenn ich Bettler sehe, dann erweckt das in mir immer großes Mitleid, weil ich es einfach niemandem Wünsche, so arm zu sein, dass er betteln gehen muss. Allerdings versuche ich immer herauszufinden, ob es richtig ist, Geld zu geben. Viele sind Abhängige: Alkohol, Zigaretten...da hilft man wenig weiter, wenn man Geld gibt und die Sucht fördert. Von daher gebe ich gerne andere Dinge. Kaufe etwas zu essen, zu trinken, Hundefutter (sofern ein Hund daneben liegt natürlich) oder ähnliche Dinge, die meiner Meinung nach viel mehr bewirken und helfen als Geld.
    Deshalb versuche ich immer zu helfen, bin teilweise aber auch schüchtern und habe Angst, jemanden anzusprechen. Habe auch schon Gewalt erlebt, weil manche schier verrückt werden vor Hunger etc.

    Das ist so meine Erfahrung mit dem Thema! Ich hoffe, das Glück ist auf meiner Seite! :)

    Liebe Grüße
    Fina

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    Antworten
    1. Liebe Fina,
      danke für Diene Antwort.
      Ich denke, es gibt einfach keine Patentantwort auf diese Frage. Es kommt immer auf die Situation an.

      Ich wünsche Dir viel Glück bei der Verlosung :-)

      Liebe Grüße
      MacBaylie

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  6. Das finde ich ja mal eine richtig schöne Idee. Die Autorin fragt ihre Leser aus.
    Sehr interessant was man da alles zu lesen bekommt.

    Dann versuche ich auch mal die Frage zu beantworten. Ist gar nicht so leicht für mich als Landei.
    Überwiegend geht es mir aber so wie den meisten hier.
    Wenn ich in die Stadt fahre und Bettler sehe, entscheidet mein Gefühl, das Auftreten der Bettler und natürlich mein Geldbeutel, ob ich was gebe oder nicht. Einen anderen Grund dafür, ob ich was gebe oder nicht, kann ich leider nicht benennen.
    Das mit den Ravioli hört sich gut an. Ich glaube das werde ich mal machen. *lach*

    LG
    Julia

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    1. Liebe Julia,

      schön, dass Du hier hin gefunden hast.

      Unser "verkehrtrum" hat total viel Spaß gemacht. Sowas machen wir sich irgendwann mal wieder :-)
      Ich hoffe doch, Du berichtest über die Ravioli-Aktion.

      Auch Dir wünsche ich viel Glück

      Liebe Grüße
      MacBaylie

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  7. Hallo,
    früher habe ich eher mal Bettler etwas gegeben als heute, das liegt daran, dass ich leider schon mehr als einmal von einem Bettler mit dem Spruch angemacht wurde, nachdem ich was gegeben habe "Sie könnten doch bestimmt noch mehr geben", das fand ich sehr frech und verletzend, jetzt muss ich jedesmal daran denken, wenn ich am Überlegen bin, ob ich einem Geld geben soll oder nicht und entscheide mich dann eher dagegen :(
    Gruß Anette

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