Mittwoch, 1. August 2012

Rezension mal anders :-)


So, meine lieben Leser. 
Jetzt habe ich die ganze Zeit darüber nachgedacht, ob ich diese außergewöhnliche Rezension zu diesem außergewöhnlichen Buch überhaupt so posten kann, weil sie doch auffallend anders ist, als all die anderen - was wiederum für mich einen triftigen Grund hatte. 
Aber natürlich kann ich das, denn das hier ist mein Blog :-)
Die Aufteilung ist also heute ein wenig anders zu sehen:
Die Kurzbeschreibung habe ich vom Milena Verlag übernommen, weil mir die so gut gefallen hat.
Dann kommt nicht ‚Meine Meinung‘ sondern ‚Meine persönlichen Eindrücke‘ weil es doch ziemlich privat wird und auch reichlich rum geblubbert wird.
Das Fazit ist dieses Mal die eigentliche Rezension.
Wer sich also „nur“ für das Buch interessiert, lässt den Mittelteil einfach weg, allen anderen wünsche ich ein chaotisches Vergnügen mit meiner sicherlich wirren Geschichte. Passend zum Buch - geht auch ohne Drogen ;-)
Und vielleicht interessiert den einen oder anderen von euch ja auch nur "meine" Geschichte zum Buch :-)
        Chelsea Horror Hotel - Dee Dee Ramone

Gebundene Ausgabe: 227 Seiten
Verlag: Milena Verlag; Auflage: 1 (31. Mai 2012)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3852862248
ISBN-13: 978-3852862248
Preis: 19,90 €
Kurzbeschreibung:
Zum 10. Todestag von Dee Dee Ramone, dem Bassisten der wichtigsten Punkband der Welt. Eine Hommage an die "guten alten" Tage im legendären New Yorker Chelsea Hotel, eine durchgeknallte Odyssee durch Manhattan. Schräg und witzig - Dee Dee at his best.

»Chelsea Horror Hotel«, zum ersten Mal in der kongenialen deutschen Übersetzung von Matthias Penzel.
Dee Dee Ramone erzählt in »Chelsea Horror Hotel« von seinem Aufenthalt in New Yorks legendärster Absteige für hippe Künstler und ekstatische Rockmusiker. Er bewohnt mit seiner sexy Frau Barbara und Hund Banfield eines der rasend abgewohnten, lauten Zimmer und verbringt die Zeit mit Spaziergängen durch Manhattan mit Banfield, mit dem er sich übrigens blendend unterhält, und der ständigen Jagd nach Drogen. Dee Dee kann seine Nachbarn nicht leiden und versucht sich aus den ständigen Querelen rauszuhalten. Er wird den Verdacht nicht los, dass er im selben Zimmer einquartiert ist, in dem sein Freund Sid Vicious Jahre zuvor seine Freundin Nancy erstach. Dee Dees Albträume häufen sich, und zu allem Überfluss wird er immer stärker von lebenden und toten Dämonen geplagt, darunter auch seine alten Punkrockfreunde Johnny Thunders, Stiv Bators und eben auch Sid Vicious. Während eines letzten Konzerts mit seinen Freunden betritt dann der Teufel höchstselbst die skurille Hotel-Arena..  (Quelle: Milena-Verlag.at) 
Meine persönlichen Eindrücke: 
Zu Anfang muss ich gestehen, dass ich kein Ramones-Fan bin/war (ich weiß zwar, dass es sie gab, aber viel mehr auch nicht) und das Buch auch nicht wegen Dee Dee Ramon haben wollte, sondern wegen des Chelsea Hotels.
Jedenfalls habe ich es mir zum Geburtstag gewünscht und prompt bekommen.
Einmal angefangen konnte ich es dann gar nicht mehr weg legen, denn es fühlte sich plötzlich an wie eine ... nein, wie meine ganz persönliche Reise in die Vergangenheit und mit jeder weiteren Seite wurden meine Augen größer und ... okay, später mehr dazu, denn erst muss ich das wohl ein bisschen erklären.
Vor fast genau 15 Jahren hatte ich, wie soll es anders sein, ebenfalls Geburtstag und zu diesem Anlass, meinen Mann kurzerhand und recht spontan für 10 Tage ins Chelsea Hotel nach New York verschleppt. Das erste Mal in New York! Mann, war das aufregend.
Zugegebenermaßen wusste ich damals nicht wirklich viel über dieses Hotel, außer, das Mark Twain, Whoopie Goldberg und einige andere Künstler dort irgendwann mal gewohnt haben sollen. Damals flossen die Informationen halt noch etwas spärlicher als heute und außerdem war mir das zu dem Zeitpunkt auch relativ egal. Der Grund, warum ich jedoch dort hin wollte war das Video von Jon Bon Jovi zu „Midnight in Chelsea“ Dazu muss ich erwähnen, dass ich öfters mal solche spontanen Ideen habe wenn mich etwas aus irgendeinem Grund begeistert, da kann ich schon mal sehr hastig und unüberlegt handeln (ist vielleicht nicht die beste Eigenschaft, ich weiß, macht aber Spaß). Nach Glenfinnan (Schottland) bin ich z. B. gefahren, weil mir der Film „Highlander“ so gut gefallen hat, aber das ist ein anderes Thema.
Jetzt erst mal zurück zum Buch und zu meiner Überraschung. Ich lese also den Anfang und stocke schon auf der zweiten Seite. Da kommt eine Szene, wo Dee Dee einen Obdachlosen trifft, der total auf seinen Hund Banfield, einen Airedale-Terrier, steht. Da dachte ich nur noch „ups“: In der Lobby sind wir mehrfach diesem abgerissenen Typen mit genau so einem Hund begegnet! Und ich kann mir irgendwie nur noch an den Hund erinnern - peinlich. Obwohl ich ja eigentlich weiß, dass ich kaum Leute erkenne - kann ich heute noch nicht, wie einige meiner Leser schon erfahren mussten, als wir uns treffen wollten. Ich stand auch schon mal 10 Minuten neben Anke Engelke und hab‘s nicht gemerkt, bis mein Mann mich drauf aufmerksam gemacht hat :-(  Grrr.. ich schweife schon wieder ab.
Ich hatte mich damals jedenfalls immer gewundert, wie viele Hunde da in diesem Hotel rum rennen. Die beiden Dobermänner, die später im Buch auftauchen habe ich auch gesehen, aber auch da habe ich keine Ahnung, wer am anderen Ende der Leine hing. Teilweise war es vielleicht auch besser, gewisse Leute nicht anzuschauen, manche sahen echt aus wie Zombies und denen muss man sich als NY-Greenhorn ja nicht unbedingt zum Fraß vorwerfen, nach dem Motto: Wen ich nicht sehe, der sieht mich auch nicht ;-) 
Als 50 Seiten später zum ersten Mal das Datum 1997 auftauchte waren alle Restzweifel, ich könnte mich ja vielleicht doch geirrt haben, ausgeräumt :-) Oh. Mein. Gott. 
Irgendwie war das ein kleiner Schock für mich aber hochinteressant und ich denke, ich habe das Buch mit völlig anderen Augen gelesen.
Ja, die Leute waren teilweise echt krass. Das Wasser im gesamten Hotel war ausnahmslos warm, ölig (dieses Adjektiv ist mir damals allerdings nicht eingefallen, aber es stimmt) und roch nach Chlor. Der Aufzug, heiß, stickig, klein und knatternd, erweckte den Eindruck man befinde sich auf direktem Weg in die Hölle. Auf dem Flur waren öfters undefinierbare Feuchtigkeitsansammlungen zu finden, die ich mir hoffnungsvoll mit schwitzenden Wasserrohren erklärt habe, obwohl an der Decke nur schlecht oder gar nicht isolierte Stromleitungen verliefen. Die Klimaanlage, ein Kasten der im Fenster hing, brummte mit dem Kühlschrank um die Wette und tropfte wie ein Wasserfall. ... 
Die Liste könnte man wohl über mehrere Seiten fortführen und so schlimm, wie sich das jetzt anhören mag, diese ganze New York Reise war einfach nur genial.
Keine Ahnung, ob ich das heute auch noch so spannend finden würde, aber damals war es das definitiv. 
Doch, ich fürchte, ich würde es wieder tun. Aber das Chelsea Hotel, so wie es mal war, gibt es leider nicht mehr. Im Moment ist es geschlossen und soll „top“ saniert werden. Hoffentlich reißen sie ihm nicht die Seele aus dem Gemäuer.
Fazit:
Der Anfang des Buches gestaltet sich noch relativ harmlos. Dee Dee versucht eigentlich in erster Linie sein Leben möglichst Stressfrei zu verbringen. Wenn man jedoch im Chelsea Hotel als Dauergast wohnt, ist das nicht immer so einfach. Das Hotel ist dreckig, laut und seine Nachbarn kann man sich auch nicht aussuchen.
Dee Dee kann einem sogar richtig leid tun, will er doch einfach nur seine Ruhe, seine morgendliche Zeitung, einen Kaffe mit Doughnut und mit seinem Hund um die Häuser ziehen.
Leider machen ihm die ganzen Substanzen, die er so zu sich nimmt einen Strich durch die Rechnung. Sie fressen sich immer weiter in sein Hirn und übernehmen seine persönliche Weltherrschaft. Einerseits ist er der kleine, liebe, nette, hilfsbereite, Junge, der Aufmerksamkeit, Anerkennung und Liebe sucht, andererseits geht er bei der kleinsten Kleinigkeit in die Luft, schiebt Paranoia und in seinen Wahnvorstellungen tötet er alle seine Feinde. Und Feind ist dann erstmal jeder - außer seine Frau Barbara. Sie ist immer schön, sexy und überirdisch.
Die Wahnvorstellungen häufen sich zum Ende hin dramatisch. Ein Wust an psychedelischen Ergüssen. Hexen, Verwünschungen, Geistern, Toten und zu guter letzt lockt ihn der Teufel persönlich in die Tiefen seines Höllenreiches.
Für alle Fans der Ramons und alle Fans des Chelsea Hotels auf jeden Fall eine geniale Lektüre. 
Alle anderen Leser sollten, was drogenbedingte Wahnvorstellungen angeht, eine angemessene Schmerzgrenze und Fantasiebereitschaft haben. Auch wenn es hier wohl etwas überspitzt zugeht, obwohl ich es nicht wirklich weiß, bin ich heilfroh, dass ich Drogen jeglicher Art immer eine Abfuhr erteilt habe. Auf diese Art von Hölle kann ich wirklich verzichten. 







Das ist übrigens das Original-Cover, 
welches mir eigentlich viel besser gefällt :-)




Bewertung (nicht ganz objektiv)

Kommentare:

  1. Suuuuper Rezension! :)

    Dass du nicht ganz so sachlich geschrieben hast, wie in anderen Rezensionen lässt das Buch nur noch mehr hervorstechen und mir gefällt der Teil deiner persönlichen Eindrücke sehr gut.

    Persönliche Anekdoten in eine Rezension zu packen, finde ich übrigens immer total interessant, weil ich auch gerne mehr über den jenigen erfahre, dessen Bewertung ich mir durchlese (auch wenn das bei dir etwas anderes ist ;D).

    Däumchen hoch. :)

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    1. Vielen Dank :-)
      Vielleicht sollte ich ab jetzt öfters Persönliches mit einbeziehen, obwohl, so ein Buch wird mir sicher nicht so schnell wieder unter Augen kommen. Das war schon etwas ganz Besonderes.
      Man sieht, die Vergangenheit holt einen also doch immer wieder ein - hier war es aber ein schöner Ausflug in schöne Erinnerungen und das hat mir unendlich viel Spaß gemacht.

      Liebe Grüße
      MacBaylie :-)

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