Sonntag, 26. Februar 2012

Die Landkarte der Zeit - Félix J. Palma


Die Landkarte der Zeit - Félix J. Palma 



Gebundene Ausgabe: 720 Seiten

Verlag: Kindler; Auflage: 2 (17. September 2010)
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3463405773
Preis: 24,95 €


Wow, was soll ich sagen ... Félix J. Palma hat der „Zeitmaschine“ ein neues, fantastisches Leben eingehaucht. Er hat uns die Erinnerung gegeben, und ihr den Raum, den sie verdient hat. Vielen Dank dafür!
Ich gebe zu, dass ich das Buch von Wells (bisher) nicht gelesen habe, aber wie oft ich den Film - das Original von 1960 - schon gesehen habe, kann ich gar nicht mehr zählen. Meine kleine Schwärmerei sei mir verziehen, denn hier geht es ja um Palmas Buch: „Die Landkarte der Zeit“

Ganz zu Anfang hatte ich leichte Schwierigkeiten mit der recht ausufernden Schachtelsatz-Erzählweise. Ich hatte nicht die geringste Ahnung, wo Herr Palma mich hinführen möchte und im 19. Jahrhundert war ich gedanklich noch nicht angekommen. 
Andrew jammert vor sich hin und kann sich einfach nicht entscheiden, bis er sich dann schließlich doch entscheidet, nie wieder etwas entscheiden zu müssen. Sprich, er will sich das Leben nehmen.
Im Nachhinein finde ich das wieder ziemlich niedlich, denn die Theatralik passt wie Faust aufs Auge in dieses Theater. Aber im ersten Moment des Lesens war ich doch leicht genervt und dachte, hoffentlich geht das jetzt nicht über 700 Seiten so weiter. 
Ich kann nur jedem empfehlen, der den Anfang eventuell ebenfalls langatmig oder gar langweilig finden sollte - lest unbedingt weiter, es lohnt sich!
Das kuriose an dem Buch ist, unter anderem aber auch, dass es immer mal wieder solche Szenen geben wird, die einen verzweifeln, stöhnen oder mit den Augen rollen lassen. Und kurz bevor man versucht ist das Buch aus der Hand zu legen passiert genau das, was man nicht erwartet und man ist wieder mitten drin und denkt sich: Wie macht dieser Kerl das nur, immer im richtigen Moment da zu sein und einen erneut einzufangen? Teilweise glaubte ich sogar ein leises höhnisches Lachen hören zu können. 
„Die Landkarte der Zeit“ ist ein riesiges Überraschungsei. Nur die Schokolade muss man sich selber besorgen. (In meinem Fall waren das etliche Rollen Rolo von Macintosh, die heute von Nestle sind. Die Zeit bleibt eben doch nicht stehen) ;-) Man kann mit den Figuren spielen, mit ihnen rätseln, spekulieren, sie hassen, auseinandernehmen und wieder zusammensetzen, und weil man mindestens hundert Mal seine Meinung ändert, geht man noch mal zum Supermarkt und kauft Nachschub an Schokolade.
Ich mag gar keine einzelnen Szenen benennen und weiter darauf eingehen (außerdem sind es viel zu viele und wenn man einmal anfängt ... ), denn ich denke es ist für den Leser wesentlich aufregender alles selber auspacken zu dürfen. 
Hinterher mit anderen Lesern darüber zu reden ist ohne Frage ein weiteres Highlight. Denn es gibt genug Stoff zum diskutieren, spekulieren und auf- oder abklären.
Für dieses Buch sollte man sich unbedingt Zeit nehmen ... ganz besonders für den Schluss, auch wenn es da extrem schwer fällt, weil man endlich wissen möchte/muss was nun wirklich hinter allem steckt. Keinesfalls sollte man auch nur ein einziges Wort überlesen, denn genau das würde am Ende fehlen, und der Punkt, der die Geschichte abschließt würde unsichtbar bleiben.
Ich für meinen Teil war begeistert. Schon lange habe ich kein Buch mehr gelesen, das meine Fantasie derart in Wallung versetzt hat. Das war Gehirnjogging bis in die hintersten Windungen, Massage, Marter, Euphorie ... und Spaß. 
Und auf seine ganz eigene Weise sogar sehr romantisch :-)



Bewertung

1 Kommentar:

  1. Toller Blog und gute Rezension. Hab den Blog zufällig entdeckt, werde mich aber sofort als Leser eintragen.

    Liebe Grüße
    Petra
    dieliebezudenbuechern.blogspot.com

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